Blog der Technikgeschichte

an der TU Berlin

Technik- und Designgeschichte: GTG in Düsseldorf

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Ehrenhof, NRW-Forum, Christian A. Schröder (ChristianSchd), CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Ehrenhof, NRW-Forum, Christian A. Schröder (ChristianSchd), CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Jahrestagungen der Gesellschaft für Technikgeschichte sind im Normalfall ein eher kleines, dafür aber feines Klassentreffen für Technikhistoriker. Dieses Jahr trafen sich allerdings erstmals Technik- und Designhistoriker zu einer gemeinsamen Jahrestagung in Düsseldorf mit dem Thema „Künstliche Materialien“.

Der Tagungsort war mit dem NRW-Forum im Ehrenhof, einstiger Schauplatz der GeSoLei (Große Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen) im Jahr 1926 und Werk des Architekten Wilhelm Kreis, ein gebauter Hinweis auf die vielen Überschneidungen von Technik- und Designgeschichte. In diesem Sinne gab es dann Vorträge aus beiden Fachgebieten, das technikhistorische Forum mit Vorträgen zu Qualifikationsarbeiten, Exkursionen (u.a. zum Gelände der Reichsausstellung „Schaffendes Volk“ von 1937) und einen Rundgang durch die eben eröffnete Ausstellung „Plastic Icons“ des Deutschen Kunststoffmuseums.

Künstliche oder natürliche Materialien, naturbelassene, natürlich scheinende oder naturimitierende Materialien, Ersatzstoffe und Hybride: Munter wurden Kategorien durcheinandergewirbelt und hinterfragt. Deutlich wurde dabei v.a., wie wichtig Materialinnovationen für Design- und Technikentwicklungsprozesse in Vergangenheit und Gegenwart waren und sind und welch große Bedeutung Digitalisierungsprozesse für den Umgang mit, die Wahrnehmung und die Wertschätzung von Materialien haben. Was künstlich und was natürlich ist, wird immer wieder neu bestimmt. Sind künstliche Materialien für den einen Hoffnungsträger für eine unbeschwerte und leichte Moderne, sind sie für den anderen minderwertige Ersatzstoffe. Von der wechselvollen Geschichte der Schweizer Kunstseidenfabrikation über die Entwicklung von Plexiglasinstrumenten bis hin zur eher designtheoretisch-philosophischen Auseinandersetzung mit den Kategorien „natürlich“-„künstlich“ reichte dabei das Spektrum der Vorträge.

Im Kopf geblieben sind viele Bruchstücke, z.B. welch lange Geschichte der scheinbar so neue 3-D-Druck im professionellen Designbereich besitzt und wie interessant eine historische Auseinandersetzung mit Folgewirkungen von Digitalisierungsprozessen für das Entwerfen technischer Produkte sein kann. Nach Annika Frye lassen sich zwei wesentliche Digitalisierungswellen ausmachen. Zunächst gab es ab den 1960er Jahren eine Phase des Digitalisierens von Zeichenvorgängen. Das 2-dimensionale Zeichnen auf Papier wurde abgelöst vom digitalen Entwerfen mit CAD-Arbeitsplätzen. Dies führte zunächst zur Konzentration auf die Erweiterung von virtuellen Entwurfsmöglichkeiten und zur Vernachlässigung des klassischen Modellbaus. Die Künstlichkeit der virtuellen Produkt-Simulationen trieb jedoch zugleich die Digitalisierung des Materialverarbeitens voran, denn der virtuelle CAD-Entwurf musste wieder aus dem Rechner herausfinden, um die entstandene Lücke zwischen digitaler Simulation und konkretem Produkt zu schließen. Rapid Prototyping brachte schließlich in den 1980er Jahren die schnelle Umsetzung von Entwürfen in anschauliche Modelle und beförderte die Technologieentwicklung für 3-D-Drucker in einem hochprofessionellen Umfeld. Letzere fanden ja bekannterweise etwas später den Weg aus den Forschungs- und Entwicklungsbereichen hinaus in die bunte Welt der Maker…

RepRapPro, CC BY 2.5, via Wikimedia Commons

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